Pfaefftown.de

Beckenbauer feiert 60. Geburtstag

Der „Kaiser“ wird 60! An diesem Sonntag (11. September) feiert Franz Beckenbauer seinen runden Geburtstag und die ganze Welt gratuliert. Der Jubilar selbst begeht sein Wiegenfest beim Fifa-Kongresse in Marrakesch (Marokko), am Dienstag wird er bei einem Empfang durch den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gewürdigt, anschließend folgt die Geburtstagsfeier mit dem FC Bayern.

Die Reihe der Gratulanten ist lang, denn Beckenbauer hat sich nicht nur als Fußballer viele Freunde gemacht, sondern – in weit größerem Maße noch – als Mensch. „Wenn du den Franz brauchst, ist er immer für dich da“, erzählte Gerd Müller, der mit dem „Kaiser“ 13 Jahre lang beim FC Bayern spielte. „Seine Größe ist seine Schlichtheit“, meint sein ehemaliger Trainer Dettmar Cramer und Beckenbauers Mutter Antonie glaubt: „Er ist doch ein Bub aus Giesing geblieben.“

Schicksalhafte ‘Löwen’-Watschn

Denn im Münchner Stadtteil Giesing fing alles an. Dort lernte der Sohn eines Postbeamten auf der Straße das Fußballspielen, dort schloss er sich seinem ersten Fußball-Verein an (SC 1906 München) und dort hätte er um ein Haar zum TSV 1860 München gewechselt. Eine Watschn des 1860-Spielers Rudolf Bauernfeind bei einem Jugendturnier im Sommer 1958 verhinderte dies. „Zu dene Grattler geh i ned“, sagte der 13-jährige Franz damals und wurde ein „Roter“.

Eine glückliche Fügung für den FC Bayern. Denn was wäre der FCB ohne Beckenbauer? Mit dem späteren „Kaiser“ schaffte der heutige Rekordmeister den Bundesliga-Aufstieg (1965), wurde je vier Mal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, gewann drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister, je einmal den Europacup der Pokalsieger (1967) und den Weltpokal (1976). Beckenbauer war seit 1970 der Kapitän der legendären 70er-Jahre-Mannschaft des FCB.

Der ‘Kaiser’ wird geboren

Mit seiner eleganten Spielweise – den Ball eng am Fuß, den Oberkörper aufrecht und den Blick in die Ferne gerichtet – war Beckenbauer einzigartig. Anlässlich eines Freundschaftsspiels der Bayern in Wien posierte er neben einer Büste des ehemaligen österreichischen Kaisers Franz II Joseph Karls. In der Berichterstattung wurde er nun als „Fußball-Kaiser” bezeichnet, denn mit Petar „Radi“ Radenkovic (TSV 1860) und Reinhard „Stan“ Libuda (Schalke) hatte der deutsche Fußballs damals schon zwei „Könige“, die Beckenbauer aber in den Schatten stellte.

Beckenbauer wurde zur „Lichtgestalt“ in Deutschland, was er durch seine Erfolge mit der Nationalmannschaft unterstrich. Am 26. September 1965 feierte er im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Schweden sein Debüt. Deutschland gewann 2:1 und ein Jahr später war Beckenbauer Vizeweltmeister. Es folgte der EM-Titel 1972 und schließlich 1974 die WM-Krone beim Turnier im eigenen Land.

Vom Spielfeld an die Seitenlinie

Der Schock war groß, als Beckenbauer 1977 die Nationalmannschaft, den FC Bayern und Deutschland in Richtung Cosmos New York verließ. Der Erfolg blieb ihm auch in den USA treu. Drei Mal in Folge (1977-79) gewann er die US-Meisterschaft. 1980 kehrte er noch einmal in die Bundesliga zurück. Beim Hamburger SV beendete er 1982 mit seinem fünften Meistertitel seine Karriere.

Schon zwei Jahre später war der „Kaiser“ aber wieder in einer Hauptrolle im deutschen Fußball zurück, zwar nicht mehr auf dem Rasen, aber an der Seitenlinie. 1984 wurde er Teamchef der Nationalmannschaft. Obwohl er keine Trainerlizenz besaß führte er das DFB-Team 1986 in Mexiko ins Finale und feierte 1990 in Italien zum zweiten Mal in seiner Karriere den Weltmeistertitel. Danach räumte er seinen Posten beim DFB.

Zurück beim FC Bayern

Es zog ihn zurück zum FC Bayern, seiner „sportlichen Lebensgrundlage“, wie er sagt. Ab 1991 als Vizepräsident, seit 1994 als Präsident und seit 2002 als Vorsitzender des Aufsichtsrates ist er maßgeblich an den Triumphen des Rekordmeisters in den letzten 14 Jahren beteiligt. Wenn Not am Mann war, sprang er auch als Trainer ein. So war es in der zweiten Saisonhälfte 1993/94, als er als Nachfolger von Erich Ribbeck den FC Bayern ohne Niederlage zur Meisterschaft führte, und so war es am Ende der Saison 1995/96, als er Otto Rehhagel ablöste und den Uefa-Pokal nach München holte.

Im Fußball hat Beckenbauer alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Es ist fast schon unheimlich, mit welcher Leichtigkeit ihm der Erfolg überall hin folgt. „Erfolg ist auch vom Glück abhängig“, meint er selbst, „Glück muss man sich erarbeiten.“ Als seinen größten Erfolg bezeichnet er selbst sein „Mitwirken, dass Deutschland die WM 2006 erhielt.“ Als Chef des deutschen Organisationskomitees arbeitet er seit 2000 fast ununterbrochen daran, dass die nächsten Welttitelkämpfe zu einem Fest in Deutschland werden.

‘Fühle mich wie 40′

„Besser kann ein Leben nicht verlaufen als das meine“, meint Beckenbauer, der nie die Menschen vergessen hat, die weniger Glück im Leben hatten als er. Mit der „Franz Beckenbauer Stiftung“ hilft er behinderten sowie bedürftigen und unverschuldet in Not geratenen Menschen. Erfolgreich, großzügig und immer mit einem offenen Ohr für die Bedürfnisse anderer – kein Wunder, dass es niemanden gibt, der Beckenbauer nicht mag. Ein gelegentliches kaiserliches Donnergrollen („Uwe-Seeler-Traditionself“, „Altherren-Fußball“) nimmt ihm keiner krumm.

Als Spieler, Trainer, Präsident, Fußball-Weltreisender und Werbeikone („Kraft auf dem Teller, Knorr auf dem Tisch“) blieb Beckenbauer nie viel Zeit für ein Privatleben. „Ich war so oft unterwegs, dass ich gar nicht wusste, was eine Familie ist“, sagt der fünffache Vater, „die Kinder sind neben mir groß geworden, ohne dass ich es gemerkt habe. Heute tut mir das leid, weil ich Kinder sehr gern habe.“ Nach der WM 2006 will er sich mehr Zeit für seine Familie nehmen. Aber 2007 könnte der Posten des Uefa-Präsidenten frei werden. Ob der „Kaiser“ dann dieses Amt übernimmt? Kraft genug scheint er noch zu haben. „Ich fühle mich um die 40“, sagt er.